Checkliste zur sozialversicherungsrechtlichen Beurteilung

Kapitalanteil mindestens 50% oder Sperrminoritäten aufgrund besonderer Vereinbarung im Gesellschaftsvertrag?

Selbstkontrahierung?
Abbedingung des Selbstkontrahierungsverbots nach § 181 BGB

Bindung an Art, Zeit, Dauer und Ort der Arbeitsleistung?

Familien-GmbH ( Familienangehörige halten Gesellschaftsanteile von mehr als 50%) ?
Geschäftsführer verfügt als einziger Gesellschafter über die für die Führung des Betriebes notwendigen Branchenkenntnisse

Geschäftsführer war vor der Umwandlung Alleininhaber einer Einzelfirma

Geschäftsführer übt seine Tätigkeit - nicht nur bei bestimmten wichtigen Geschäften - gemäß den Weisungen der Gesellschafter aus

Treuhandvertrag?
Dem Treuhänder-Gesellschafter-Geschäftsführer ist das Stimmrecht in der GmbH entzogen und er ist wie ein Arbeitnehmer in die Gesellschaft eingegliedert

Erhebliches Unternehmerrisiko?

Von vornherein grundsätzlich kein abhängiges Beschäftigungsverhältnis, da maßgeblicher Einfluss auf die Geschicke der Gesellschaft. Dies gilt auch, wenn ein besonderer Beirat bestellt wird oder der Geschäftsführer bzw. mitarbeitende Gesellschafter die ihm zustehende beherrschende Rechtsmacht tatsächlich nicht wahrnimmt. Die Sperrminorität des mitarbeitenden Gesellschafters (ohne Geschäftsführerfunktion) schließt ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis hingegen nicht von vorn hernaus. Gleiches gilt für eine nur eingeschränkte Sperrminorität des Gesellschafter-Geschäftsführers. Auch der Treuhänder-Gesellschafter-Geschäftsführer kann zu Gesellschaft in einem abhängigen Beschäftigungsverhänltnis stehen.

Indiz gegen ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis

Kein abhängiges Beschäftigungsverhältnis. Es kommt nicht allein darauf an, inwieweit die Sachentscheidungsbefugnis begrenzt ist. Wesentlicher ist, ob der äußere Rahmen der Tätigkeit durch einseitige Weisungsgen geregelt werden kann.

Soweit der Geschäftsführer kein Gesellschafter der GmbH ist, besteht jedoch aufgrund seiner funktionsgerecht dienenden Teilhabe am Arbeitsprozess regelmäßig ein abgehängiges Beschäftigungsverhältnis.

Indiz gegen ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis, da die übrigen Gesellschafter nicht oder kaum in der Lage sind, dem Geschäftsführer Weisungen zu erteilen. Die fachliche Überlegenheit für sich allein lässt aber nicht den Schluss auf eine selbständige Tätigkeit zu.

Kein abhängiges Beschäftigungsverhältnis, wenn der Geschäftsführer "Kopf und Seele" des Betriebes geblieben ist und die gesellschaftsrechtlichen Maßnahmen nur deshalb getroffen worden sind, weil er sich dadurch haftungs- oder steuerrechtlich besser zu stehen glaubt.

Kein abhängiges Beschäftigungsverhältnis liegt vor, wenn die Geschäftsführertätigkeit mehr durch familienhafte Rücksichtnahmen und durch ein gleichberechtigtes Nebeneinander als durch einen für ein Arbeitnehmer-Arbeitgeberverhältnis typischen Interessengegensatz gekennzeichnet ist.

Kein abhängiges Beschäftigungsverhältnis

Indiz gegen ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis. Teilhabe am Arbeitsprozess in diesen Fällen häufig zar funktionsgerecht, aber nicht "dienender" Natur.

abhängiges Beschäftigungsverhältnis

Rechtsprechungsübersicht

Lfd. Nr. BSG-Fundstelle Sachverhalt / Entscheidung Urteilstenor / Begründung
34 04.07.2007
- B 11a AL 5/06 R - und - B 11a AL 45/06 R -

(SozR 4-2400 § 7 Nr. 8; USK 2007-107; Breith. 2008, 141; Die Beiträge Beilage 2008, 38; ZIP 2007, 2185)
  • drei Gesellschafter-Geschäfts-führer mit 1/3 Kapitalanteil
  • Geschäftsführervertrag mit Al-leinvertretungsberechtigung und Befreiung von den Beschrän-kungen des § 181 BGB
  • Geschäftsführung in Überein-stimmung mit den Beschlüssen der Gesellschaft
  • Zustimmung der Gesellschaft für bestimmte Rechtsgeschäfte erforderlich
  • Leitung der Produktion (andere Geschäftsführer leiten techni-schen bzw. kaufmännischen Be-reich)
  • unternehmerische Entscheidungen einvernehmlich während der Arbeitszeit im Betrieb

Abhängiges Beschäftigungsverhältnis
  • Alleinvertretungsberechtigung und Befreiung vom Selbstkontrahierungsverbot nach § 181 BGB ist bei kleineren GmbH nicht untypisch und spricht deshalb nicht zwingend für eine selbständigen Tätigkeit.
  • Gesellschafter haben die wesentlichen Entscheidungen während der Arbeitszeit im Betreib einvernehmlich getroffen, so dass die tatsächliche Ausübung des Einflusses im Sinne einer regelmäßigen Kontrolle der Tä-tigkeit der Geschäftsführer durch die Gesellschaft ge-geben und von einer Bindung an die Entscheidungen der Gesamtheit der Gesellschafter und insoweit von einer Weisungsgebundenheit bei der Tätigkeit als Ge-schäftsführer auszugehen ist.
  • Die Personenidentität von Geschäftsführern und Gesellschaftern ändert an der Rechtsmacht der Gesell-schafter und der Weisungsgebundenheit der Geschäftsführer nichts.
  • Auch kein geeignetes Abgrenzungskriterium ist der angeblich fehlende Interessengegensatz im Arbeitge-ber-/Arbeitnehmerverhältnis. Ein solcher kann z. B. auch fehlen, wenn der Arbeitnehmer - ohne Gesell-schafter zu sein - durch eine Zielvereinbarung am Un-ternehmenserfolg beteiligt wird.
33 25.01.2006
- B 12 KR 30/04 R -

(USK 2006-8; Die Beiträge Beilage 2006, 149; ZIP 2006, 678)
  • Familien-GmbH (Ehemann al-leiniger Geschäftsführer)
  • Ehefrau Alleingesellschafterin
  • zunächst Anstellungsvertrag, später Teilzeit-Anstellungsvertrag
  • monatliche Vergütung
  • schriftliche Vereinbarung von Geschäftsführer und Alleinge-sellschafterin, die ihm letztlich eine Stellung als faktischer Al-leingesellschafter garantiert

Kein abhängiges Beschäftigungsver-hältnis
  • Ob eine „Beschäftigung“ vorliegt, ergibt sich aus dem Vertragsverhältnis der Beteiligten, so wie es im Rah-men des rechtlich Zulässigen tatsächlich vollzogen worden ist. Eine im Widerspruch zu ursprünglich ge-troffenen Vereinbarungen stehende tatsächlich Bezie-hung und die sich hieraus ergebende Schlussfolgerung auf die tatsächlich gewollte Natur der Rechtsbeziehung geht der nur formellen Vereinbarung vor, soweit eine - formlose - Abbedingung rechtlich möglich ist. Umge-kehrt gilt, dass die Nichtausübung eines Rechts unbe-achtlich ist, solange diese Rechtsposition nicht wirk-sam abbedungen ist. Zu den tatsächlichen Verhältnis-sen in diesem Sinne gehört daher unabhängig von ih-rer Ausübung auch die einem Beteiligten zustehende Rechtsmacht. In diesem Sinne gilt, dass die tatsächli-chen Verhältnisse den Ausschlag geben, wenn sie von den Vereinbarungen abweichen. Maßgeblich ist die Rechtsbeziehung so wie sie praktiziert wird und die praktizierte Beziehung so wie sie rechtlich zulässig ist.
  • Alleingesellschafter haben aufgrund ihrer gesell-schaftsrechtlichen Position letztlich auch die Leitungs-macht gegenüber dem Geschäftsführer und unterlie-gen damit ihrerseits nicht dessen Weisungsrecht.
  • Die privatschriftliche schuldrechtliche Vereinbarung ei-nes verdeckten Treuhandverhältnisses ist nichtig, da sie der notariellen Form bedarf.
32 06.03.2003
- B 11 AL 25/02 R -

(SozR 4-2400 § 7 Nr. 1; USK 2003-14)
  • Gesellschafter-Geschäftsführer mit Kapitalanteil von 25%
  • drei weitere mitarbeitende Ge-sellschafter mit je 25% Kapitalan-teil
  • alleiniger Geschäftsführer mit Al-leinvertretungsberechtigung und Befreiung von den Beschränkun-gen des § 181 BGB
  • keine festen Arbeitszeiten
  • Zustimmungsvorbehalt der Ge-sellschafterversammlung zu be-stimmten im Geschäftsführerver-trag aufgelisteten Geschäften
  • Anspruch auf feste monatliche Vergütung zuzüglich Weih-nachtsgeld und Tantieme

Abhängiges Beschäftigungsverhältnis
  • Gesellschafter-Geschäftsführer ohne maßgeblichen Einfluss auf die Geschicke der GmbH aufgrund ihrer Kapitalbeteiligung sind - wie Fremdgeschäftsführer - im Regelfall abhängig Beschäftigte.
  • Eine abweichende Beurteilung kommt nur in Betracht, wenn besondere Umstände den Schluss zulassen, dass keine Weisungsgebundenheit vorliegt.
  • Für eine kleinere GmbH ist das Alleinvertretungsrecht und die Befreiung von den Beschränkungen des § 181 BGB nicht untypisch und deutet deshalb nicht zwin-gend auf Selbständigkeit hin.
  • Ein zeitlicher Einsatz von 50 Wochenstunden ohne Überstundenausgleich (der heute nicht nur bei Ge-schäftsführern, sondern auch bei leitenden und in vie-len Fällen auch bei nicht leitend tätigen Angestellten durchaus üblich ist) ist kein Indiz für eine selbständige Tätigkeit.
31 18.12.2001
- B 12 KR 10/01 R -

(SozR 3-2400 § 7 Nr. 20; USK 2001-60; Breith. 2002, 474; NJWRR 2002, 758; DBlR 4728a, SGB III/ § 25; DAngVers 2002, 438)
  • Geschäftsführer ohne Kapitalbe-teiligung (Fremdgeschäftsführer)
  • Geschäftsführervertrag mit Al-leinvertretungsbefugnis und Be-freiung von den Beschränkungen des § 181 BGB
  • monatliches Gehalt zuzüglich 13. Monatsgehalt, Fortzahlung des Gehalts im Krankheitsfall, An-spruch auf bezahlten jährlichen Urlaub und betriebliche Alters-versorgung
  • bei positivem Geschäftsergebnis zustehende Jahressonderprämie
  • keine Beteiligung an Gewinn oder Verlust der GmbH
  • Geschäftsführung erstreckt sich auf alle Handlungen des ge-wöhnlichen Geschäftsbetriebs
  • Geschäftsführer kann im tägli-chen Dienstbetrieb im wesentli-chen frei walten und schalten sowie was Ort, Zeit und Dauer seiner Arbeitskraft betrifft, weit-gehend weisungsfrei agieren
  • der Geschäftsführer besitzt eine Vollmacht, wonach er das Stimmrecht in der Gesellschaf-terversammlung wahrnehmen, Gesellschafterbeschlüsse aller Art fassen und für die Mutterge-sellschaft neue Stammeinlagen übernehmen kann

Abhängiges Beschäftigungsverhältnis
  • Bei Organen juristischer Personen - wie GmbH-Geschäftsführern - ist eine sozialversicherungsrechtli-che Beschäftigung nicht bereits deshalb ausgeschlos-sen, weil sie nach § 5 Abs. 1 Satz 3 Arbeitsgerichtsge-setz (ArbGG) arbeitsrechtlich nicht als Arbeitnehmer der Gesellschaft gelten; das ArbGG hat keine Bedeu-tung für das Sozialversicherungsrecht.
  • Eine abhängige Beschäftigung ist regelmäßig zu beja-hen bei Geschäftsführern, die nicht am Stammkapital der GmbH beteiligt sind (Fremdgeschäftsführer).
  • Ausnahmsweise gehören Geschäftsführer nicht zum Personenkreis der abhängig Beschäftigten, wenn sie mit den Gesellschaftern familiär verbunden sind und die Geschäfte der GmbH faktisch wie ein Alleininhaber nach eigenem Gutdünken führen.
  • Festgehalt, 13. Monatsgehalt, bezahlter Urlaub, Vergü-tungsanspruch im Krankheitsfall sind gewichtige Indi-zien für eine Beschäftigung.
  • Eine ungewisse Jahressonderprämie ist dem Wagnis-kapital nicht gleichzusetzen, sondern Ausdruck auch bei Arbeitnehmern verbreiteter leistungsorientierter Vergütungsbestandteile.
  • Freie Bestimmung über Zeit, Ort und Art der Ar-beitsausführung sind bei Diensten höherer Art üblich, die im Rahmen abhängiger Beschäftigung geleistet werden, wenn sie fremdbestimmt bleiben, sie also in einer von anderer Seite vorgegebenen Ordnung des Betriebes aufgehen, d. h. insbesondere die Unterneh-menspolitik, maßgeblich von anderer Seite vorgegeben wird.
  • Einer Stimmrechtsvollmacht ist keine besondere Be-deutung beizumessen, da sie jederzeit widerrufbar ist und am Innenverhältnis nichts ändert, da die sich aus dem Geschäftsführervertrag ergebenden Verpflichtun-gen weiterhin zu erfüllen sind.
30 17.05.2001
- B 12 KR 34/00 R -

(SozR 3-2400 § 7 Nr. 17; USK 2001-40; DBlR 4713, SGB IV/§ 7; NZS 2001, 644; BR/Meuer SGB IV § 7)
  • Familien-GmbH (Ehegatten-GmbH, Kapitalanteil je 50%)
  • Ehefrau: mitarbeitende Gesell-schafterin
  • Ehemann alleiniger Geschäfts-führer
  • Überweisung des Nettoarbeits-entgelts auf eine besonderes Verrechnungskonto der GmbH
  • nicht in Anspruch genommene Gehaltsgutschriften gelten als zinsloses Darlehen an GmbH

Kein abhängiges Beschäftigungsver-hältnis
  • Ein nicht zum Geschäftsführer bestellter Gesellschafter mit 50% Kapitalanteil besitzt als Arbeitnehmer der GmbH nicht die Rechtsmacht, seine Weisungsgebun-denheit aufzuheben oder abzuschwächen.
  • Dienstaufsicht und Weisungsrecht über die Arbeitneh-mer der GmbH gehören grundsätzlich zur laufenden Geschäftsführung und sind nicht Sache der Gesell-schafterversammlung.
  • Eine rechtlich bestehende Abhängigkeit kann durch die tatsächlichen Verhältnisse so überlagert sein, dass ei-ne Beschäftigung im sozialversicherungsrechtlichen Sinne dennoch ausscheidet.
  • Eine für ein Arbeitsverhältnis untypische Art der Ent-geltzahlung spricht im Zusammenhang mit weiteren für ein Arbeitsverhältnis atypischen Merkmalen gegen ei-ne abhängige Beschäftigung.
29 14.12.1999
- B 2 U 48/98 R -

(USK 9975; BB 2000, 674)
  • Familien-GmbH
  • Ehemann Gesellschafter-Geschäftsführer mit 44,8 % Kapi-talanteil (Ehefrau - anderweitig vollbeschäftigt - hält 55,2 %)
  • Alleinvertretungsbefugnis
  • Befreiung vom Selbstkontrahie-rungsverbot nach § 181 BGB
  • umfassende Branchenkenntnisse
  • Geschäftsführervertrag wonach die verantwortliche Leitung des gesamten Geschäftsbetriebs dem Geschäftsführer obliegt
  • monatliches Gehalt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld

Kein abhängiges Beschäftigungsver-hältnis
  • Bei einem Gesellschafter-Geschäftsführer mit einem Kapitalanteil von weniger als 50 % hängt das Vorliegen eines abhängigen Beschäftigungsverhältnisses we-sentlich davon ab, ob er nach dem Gesamtbild seiner Tätigkeit einem seine persönliche Abhängigkeit be-gründenden Weisungsrecht der GmbH unterliegt.
  • In einer Familien-GmbH können die familiären Verhält-nisse dazu führen, dass die Geschäftsführertätigkeit überwiegend durch familienhafte Rücksichtnahmen geprägt wird und es an der Ausübung einer Direktion durch die Gesellschaft völlig mangelt.
28 30.06.1999
- B 2 U 35/98 R -

(SozR 3-2200 § 723 Nr. 4; USK 9942; Breith. 1999, 1033; NZS 2000, 147)
  • GmbH mit drei Gesellschaftern (Kapitalanteil A: 59,6 %, B: 30,4 %, C: 10 %)
  • B Geschäftsführer mit Alleinver-tretungsbefugnis
  • Befreiung vom Selbstkontrahie-rungsverbot nach § 181 BGB
  • alleinige Branchenkenntnisse
  • Geschäftsführervertrag, wonach Arbeitskraft, Kenntnisse und Er-fahrungen in den Dienst der Ge-sellschaft zu stellen sind
  • monatliches Gehalt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld

abhängiges Beschäftigungsverhältnis
  • Weist eine Tätigkeit Merkmale auf, die sowohl auf Ab-hängigkeit als auch auf Unabhängigkeit hinweisen, ist entscheidend, welche Merkmale überwiegen.
  • Es sind alle Umstände des Einzelfalles zu berücksich-tigen. Maßgebend ist dabei das Gesamtbild, ob der Geschäftsführer von der Gesellschaft persönlich ab-hängig ist.
  • Verfügt ein Gesellschafter-Geschäftsführer als Einziger in der Gesellschaft über das besondere ”know-how”, kann daraus keine selbständige Tätigkeit abgeleitet werden, denn es ist durchaus üblich, dass Geschäfts-führer spezielle Fachkenntnisse aufweisen und diese sind vielfach gerade Voraussetzung für die Über-tragung dieser Aufgabe.
27 05.02.1998
- B 11 AL 71/97 R -

(DBlR 4447a/AFG § 104; USK 9816; SozR 3-4100 § 168 Nr. 22; Breith. 1999, 100; Die Beiträge 1999; 109)
  • Familien-GmbH (Vater alleinver-tretungsberechtigter Geschäfts-führer mit 60 % Kapitalanteil, Sohn 40 %)
  • Beschlussfassung mit 3/4 des Stammkapitals (Sohn Gesell-schafter mit Sperrminorität)
  • Sohn in der GmbH als Spediti-onskaufmann beschäftigt (keine Geschäftsführungsfunktion)

abhängiges Beschäftigungsverhältnis
  • Die Sperminorität eines Minderheits-Gesellschafters ohne Geschäftsführungsfunktion schließt eine abhän-gige Beschäftigung zur Gesellschaft nicht von vornher-ein aus.
  • Ein Minderheits-Gesellschafter mit Sperrminorität ist rechtlich nicht in der Lage, seine Weisungsgebunden-heit gegenüber dem Geschäftsführer der GmbH auf-zuheben oder abzuschwächen.
  • Entscheidend ist, ob der Gesellschafter aufgrund der vertraglichen Beziehungen und der tatsächlichen Durchführung des Vertrages wie eine fremde Arbeits-kraft in den Betrieb eingegliedert ist.
26 09.02.1995
- 7 RAr 76/94 -

(DBlR 4201a/AFG § 168; USK 9519; Die Beiträge 1995, 358; BR/Meuer AFG § 168)
  • zwei Gesellschafter-Geschäfts-führer mit zunächst je 33,3 % später 48,8 % Kapitalanteil
  • gemeinschaftliche Vertretung der GmbH
  • Beschlussfähigkeit mit 75 % des Stammkapitals
  • Beschlussfassung mit einfacher Mehrheit
  • Befreiung vom Selbstkontrahie-rungsverbot nach § 181 BGB
  • Zustimmung der Gesellschaft für bestimmte Rechtsgeschäfte er-forderlich
  • technische und kaufmännische Leitung des Unternehmens
  • wöchentliche Arbeitszeit 40 Std.
  • monatliches Gehalt

Zurückverweisung an das LSG
  • Ist Beschlussfähigkeit einer GmbH nur mit den Stim-men des Geschäftsführers gegeben, können die Ver-hältnisse dennoch so liegen, dass eine abhängige Be-schäftigung grundsätzlich nicht ausgeschlossen ist. Dies ist der Fall, wenn innerhalb einer Frist eine zweite Gesellschafterversammlung mit gleicher Tagesord-nung einzuberufen ist, die dann ohne Rücksicht auf das vertretene Kapital beschlussfähig ist.
  • Entscheidend bleibt, ob der Geschäftsführer nach der Gestaltung seiner vertraglichen Beziehung zur GmbH und den tatsächlichen Gegebenheiten hinsichtlich Zeit, Dauer, Ort und Art der Tätigkeit im Wesentlichen wei-sungsfrei oder weisungsgebunden ist.
25 08.12.1994
- 11 RAr 49/94 -

(DBlR 4200/AFG § 168; USK 9461; SozR 3-4100 § 168 Nr. 18; NZS 1995, 373; Die Beiträge 1995, 568; BR/Meuer AFG § 168)
  • Treuhänder-Komplementär-GmbH (Treuhänder: Alleingesell-schafter / alleiniger Geschäfts-führer der GmbH / einziger Kommanditist der KG)
  • (formale) Alleinvertretungsbefug-nis des Treuhänders
  • Befreiung vom Selbstkontrahie-rungsverbot nach § 181 BGB
  • Anstellungsvertrag
  • monatliches Gehalt
  • umfassende Weisungsbefugnis des Treugebers aufgrund des Treuhandvertrages
  • Treugeber unwiderruflich zur Ausübung des Stimmrechts in der Gesellschaft bevollmächtigt

Zurückverweisung an das LSG
  • Bei einem Alleingesellschafter einer GmbH scheidet ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis zur Gesell-schaft dann nicht von vornherein aus, wenn er auf-grund eines besonders gestalteten Treuhandverhält-nisses an der Ausübung seiner Rechte als Gesell-schafter gehindert ist.
  • Zur Beurteilung einer abhängigen Beschäftigung sind stets die tatsächlichen Verhältnisse maßgebend, zu denen auch die vorhandene Rechtsmacht gehört.
  • Behält sich der Treugeber das Stimmrecht in der Ge-sellschaft aufgrund einer unwiderruflichen Vollmacht persönlich vor, erscheint es gerechtfertigt, die Gesell-schafterstellung nicht nach formal-rechtlichen Kriterien zu bestimmen.
  • Der Treuhänder-Gesellschafter-Geschäftsführer steht dann in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis zur Gesellschaft, wenn der Treugeber als mittelbarer Gesellschafter dem Treuhänder das Stimmrecht in der Gesellschaft tatsächlich entzogen hat und der Ge-schäftsführer tatsächlich wie ein Arbeitnehmer in die Gesellschaft eingegliedert ist.
24 23.06.1994
- 12 RK 72/92 -

(USK 9448; Die Beiträge 1994, 610; BR/Meuer AVG § 2; NJW 1994, 2974)
  • GmbH (Gesellschafter A und B mit je 50 % Kapitalanteil)
  • Übertragung von 20 % Kapitalan-teil der Gesellschafterin B auf den Ehegatten
  • Anstellungsvertrag mit Gesell-schafterin B; keine Geschäftsfüh-rungsfunktion, lediglich Unter-stützung der Geschäftsführung nach dessen Weisung (alleinige Geschäftsführung obliegt der Gesellschafterin A)
  • monatliches Gehalt
  • wöchentliche Arbeitszeit 15 Std.

Zurückverweisung an das LSG
  • Die vertragliche Verpflichtung eines Gesellschafters zur Verrichtung von Diensten höher Art in der Gesell-schaft (hier: Unterstützung der Geschäftsführung) spricht nicht unbedingt gegen eine abhängige Beschäf-tigung.
  • Eine rechtlich bestehende Abhängigkeit kann durch die tatsächlichen Verhältnisse so überlagert sein, dass ei-ne Beschäftigung im sozialversicherungsrechtlichen Sinn dennoch ausscheidet.
  • Bei einem Gesellschafter, der zusammen mit seinem Ehegatten über einen Stimmenanteil von 50 % verfügt, ist eine mittelbare Beeinflussung der Gesellschaft nicht auszuschließen (Verhinderung von Beschlüssen).
  • Ein enges familienrechtliches Band allein rechtfertigt nicht die Annahme, die Betroffenen würden sich unter allen Umständen gleichgesinnt verhalten, um damit die Gesellschaft mittelbar zu beeinflussen.
23 11.02.1993
- 7 RAr 48/92 -

(DBlR 4023a/AFG § 168; USK 9347; Die Beiträge 1993, 521; BR/Meuer AFG § 168)
  • Familien-GmbH (Kapitalanteil Ehefrau 48 %, Sohn 41 %, Toch-ter 11 %)
  • Ehemann Geschäftsführer ohne Kapitalbeteiligung
  • Alleinvertretungsbefugnis
  • Befreiung vom Selbstkontrahie-rungsverbot nach § 181 BGB
  • Anstellungsvertrag
  • Leitung des Gesamtbetriebes
  • keine feste Arbeitszeitregelung
  • monatliches Gehalt

Zurückverweisung an das LSG
  • Ein Geschäftsführer der die Geschicke der GmbH mangels Beteiligung am Stammkapital nicht beeinflus-sen kann, aber die Leitung des Betriebes inne hat, steht dann nicht in einem abhängigen Beschäftigungs-verhältnis, wenn er seine Tätigkeit hinsichtlich Zeit, Dauer, Umfang und Ort im Wesentlichen weisungsfrei und - wirtschaftlich gesehen - nicht für ein fremdes, sondern für ein eigenes Unternehmen ausübt.
  • Es kommt nicht darauf an, ob für die Gesellschafter die Möglichkeit bestand, auf die Geschäftsführung Einfluss auszuüben, vielmehr ist darauf abzustellen, ob von ei-ner etwaigen Weisungsbefugnis tatsächlich Gebrauch gemacht wurde.
22 24.09.1992
- 7 RAr 12/92 -

(DBlR 3983/AFG § 168; USK 9285; SozR 3-4100 § 168 Nr. 8; BR/Meuer AFG § 168; NZA 1993, 430)
  • Gesellschafter-Geschäftsführer mit 48 % Kapitalbeteiligung
  • Beschlussfassung grundsätzlich mit einfacher Mehrheit; für Fest-legung der Unternehmenspolitik, Änderungen des Gesellschafter-vertrages und Auflösung der Ge-sellschaft mit 75 % der Stimmen
  • Verkaufstätigkeit
  • vorgeschriebene Arbeitszeit
  • monatliches Gehalt

abhängiges Beschäftigungsverhältnis
  • Eine Sperrminorität eines Gesellschafter-Geschäfts-führers, die sich auf die Festlegung der Unterneh-menspolitik, die Änderung des Gesellschaftervertrages und die Auflösung der Gesellschaft beschränkt, schließt die Annahme eines abhängigen Beschäfti-gungsverhältnisses nicht aus.
  • Maßgebend bleibt die Bindung des Geschäftsführers hinsichtlich der Ausgestaltung seiner Arbeitsleistung an das willensbildende Organ, in der Regel die Gesamt-heit der Gesellschafter.
21 06.02.1992
- 7 RAr 134/90 - und

- 7 RAr 36/91 - (DBlR 3893a/AFG § 104; USK 9208; SozR 3-4100 § 104 Nr. 8; BSGE 70, 81; Die Beiträge 1992, 258; BR/Meuer AFG § 168; DB 1992, 1835; BB 1992, 2437)
  • Familien-GmbH
  • Ehemann Gesellschafter-Ge-schäftsführer mit 45 % Kapitalan-teil (Ehefrau 45 %, Bruder 10 %)
  • Sperrminorität (Beschlussfas-sung mit mindestens 75 % der Stimmen)
  • technische und kaufmännische Leitung des Unternehmens

Kein abhängiges Beschäftigungsver-hältnis
  • Ein Gesellschafter-Geschäftsführer, der über weniger als die Hälfte des Stammkapitals verfügt, aber eine Sperrminorität besitzt, steht nicht in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis. Etwas anderes könnte allen-falls dann gelten, wenn der Gesellschafter-Ge-schäftsführer an der Ausübung der Sperrminorität ge-hindert ist.
20 28.01.1992
- 11 RAr 133/90 -

(DBlR 3898a/AFG § 168; USK 9201; Die Beiträge 1992, 310; BR/Meuer AFG § 168)
  • Familien-GmbH
  • Gesellschafter-Geschäftsführer mit zunächst 51 % später 49 % Kapitalanteil (Übertragung von 2 % auf den Ehegatten)
  • Alleinvertretungsbefugnis
  • keine Branchenkenntnisse
  • monatliches Gehalt
  • Hat ein Gesellschafter-Geschäftsführer aufgrund sei-ner gesellschaftsrechtlichen Stellung die Rechts-macht, Entscheidungen der GmbH zu bestimmen oder zu verhindern, so liegt auch dann keine abhängi-ge Beschäftigung vor, wenn er - z. B. wegen fehlender Sachkunde - Entscheidungen weitgehend anderen überlässt.
  • Auch ein selbständiger Unternehmer muss sich Sach-zwängen (sachkundigem Rat) unterordnen, die ihm von Fachkräften seines Betriebes vermittelt werden. Eine persönliche Abhängigkeit im Einsatz seiner Ar-beitskraft ist damit nicht verbunden.
  • Mit der Übertragung von Geschäftsanteilen auf den Ehegatten ist eine Verlagerung der Einflussmöglichkei-ten denkbar, wenn sich zwischen den Ehegatten eine unterschiedliche wirtschaftliche Interessenlage feststel-len lässt und die Gesellschaft dem Geschäftsführer bestimmte Weisungen erteilt oder ihn der für Arbeit-nehmer des Betriebes geltenden Ordnung unterstellt.
  • Kann ein Gesellschafter sich bei bestimmten unter-nehmerischen Entscheidungen nicht durchsetzen, ver-liert er dadurch nicht seine Selbständigkeit.
19 18.04.1991
- 7 RAr 32/90 -

(DBlR 3835a/AFG § 168; USK 9115; SozR 3-4100 § 168 Nr. 5; BR/Meuer AFG § 168; NZA 1991, 869)
  • Gesellschafter-Geschäftsführer mit 1/3 Kapitalbeteiligung (Ge-sellschafter-GmbH als Kreditge-ber und Warenlieferant hält e-benfalls 1/3)
  • Alleinvertretungsbefugnis
  • Sperrminorität (einstimmige Be-schlussfassung)
  • wöchentliche Arbeitszeit 40 Std.
  • monatliche Gehalt
  • Gewinnbeteiligung

Kein abhängiges Beschäftigungsver-hältnis
  • Ein Gesellschafter-Geschäftsführer, der über weniger als die Hälfte des Stammkapitals verfügt, aber eine Sperrminorität besitzt, steht nicht in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis.
  • Unerheblich ist, ob der Gesellschafter-Geschäfts-führer die ihm zustehende Rechtsmacht tatsächlich ausübt. Etwas anderes könnte allenfalls dann gelten, wenn er an der Ausübung der Sperrminorität gehindert ist.
  • Das wirtschaftliche Übergewicht eines Gesellschafters (hier: Gesellschafter-GmbH) lässt ohne Hinzutreten weiterer besonderer Umstände nicht die Schlussfolge-rung zu, dass ein Strohmann-Geschäft vorliege oder dem Gesellschafter-Geschäftsführer die zustehenden Befugnisse schlechthin abgeschnitten wären.
18 08.08.1990
- 11 RAr 77/89 -

(DBlR 3733a/AFG § 168; USK 9060; SozR 3-2400 § 7 Nr. 4; Die Beiträge 1991, 206; BR/Meuer AFG § 168)
  • Gesellschafter-Geschäftsführer mit 30 % Kapitalanteil
  • Befreiung vom Selbstkontrahie-rungsverbot nach § 181 BGB
  • Tantiemenvereinbarung
  • keine feste Arbeitszeitreglung, aber jederzeitige Dienstbereit-schaft

Zurückverweisung an das LSG
  • Ermöglicht die gesellschaftliche Stellung hingegen kei-nen bestimmenden Einfluss auf die GmbH, kann auch der tatsächlich eingeräumte Einfluss eine abhängige Beschäftigung ausschließen.
  • Prüfungsmaßstab sind zunächst die im Anstellungs- bzw. Gesellschaftsvertrag getroffenen Regelungen. Weichen die tatsächlichen Verhältnisse hiervon ent-scheidend ab, ist auf die Umstände des Einzelfalles abzustellen.
17 09.11.1989
- 11 RAr 39/89 -

(DBlR 3611a/AFG § 168; USK 89102; BSGE 66, 69; SozR 4100 § 104 Nr. 19; Die Beiträge 1990, 183; BR/Meuer AFG § 168)
  • Ein-Personen-GmbH mit Fremd-geschäftsführer
  • Alleingesellschafterin als Konto-ristin in der GmbH tätig (keine Branchenkenntnisse)
  • wöchentliche Arbeitszeit 30 Std.
  • monatliches Gehalt

Kein abhängiges Beschäftigungsver-hältnis
  • Ein Alleingesellschafter, der die ihm zustehende be-herrschende Rechtsmacht über die GmbH tatsächlich nicht wahrnimmt, steht auch dann nicht in einem ab-hängigen Beschäftigungsverhältnis zur Gesellschaft, wenn er für diese eine untergeordnete Beschäftigung nach Weisung verrichtet.
  • Zu den tatsächlichen Verhältnissen gehört - unabhän-gig von ihrer Ausübung - auch die vorhandene Rechtsmacht. Hiernach ist sowohl derjenige, der die Rechtsmacht hat, als auch derjenige, der die Gesell-schaft ohne Rechtmacht tatsächlich leitet, nicht ab-hängig beschäftigt.
16 25.10.1989
- 2 RU 12/89 -

(USK 8998; BR/Meuer RVO § 543; BG 1990, 357)
  • GmbH mit zwei Gesellschafter-Geschäftsführern (Kapitalbeteili-gung jeweils 50 %)
  • gemeinschaftliche Vertretung der Gesellschaft
  • Beschlussfassung mit einfacher Mehrheit

Kein abhängiges Beschäftigungsver-hältnis
  • Sind zwei Geschäftsführer einer GmbH mit gleichen Teilen am Stammkapital beteiligt und vertreten sie die Gesellschaft gemeinschaftlich, so haben sie in ihrem notwendigen Zusammenwirken eine das Unternehmen schlechthin ”beherrschende” Stellung.
  • Hat jeder Geschäftsführer insoweit eine die Gesell-schaft ”beherrschende” Stellung, als ohne seine Zu-stimmung keine Beschlüsse gefasst werden können, liegt für keinen der Geschäftsführer ein persönliches Abhängigkeitsverhältnis zur Gesellschaft vor.
15 27.07.1989
- 11/7 RAr 71/87 -

(DBlR 3583a/AFG § 168; USK 8951; Die Beiträge 1989, 373; BR/Meuer AFG § 182)
  • Gesellschafter-Geschäftsführer mit zunächst 51 % später 47 % Kapitalanteil (4 % auf Ehefrau übertragen) zugleich Arbeitsver-trag als kaufmännischer Ange-stellter in der GmbH
  • Alleinvertretungsbefugnis
  • Beschlussfassung mit einfacher Mehrheit
  • Befreiung vom Selbstkontrahie-rungsverbot nach § 181 BGB
  • wöchentliche Arbeitszeit 40 Std.
  • monatliches Gehalt

Kein abhängiges Beschäftigungsver-hältnis
  • Bei einem Gesellschafter-Geschäftsführer mit einem Kapitalanteil von weniger als 50 % ohne Sperrminorität kann die Arbeitnehmereigenschaft fehlen, wenn sein tatsächlicher Einfluss auf die Gesellschaft wesentlich größer ist, als der ihm aufgrund seines Kapitals zuste-hende Einfluss.
  • Hält ein Gesellschafter zusammen mit seinem Ehegat-ten Geschäftsanteile von mehr als 50 % und kann er damit wesentliche Entscheidungen der Gesellschaft verhindern, ist ein beherrschender Einfluss auf die Ge-sellschaft anzunehmen, wenn der Ehegatte ansonsten in keiner Weise in die Betriebsführung eingreift und tatsächlich keine konkretisierbaren Arbeitgeberfunktio-nen ausübt.
14 11.01.1989
- 7 RAr 8/87 –

(DBlR 3467a/AFG § 168; BR/Meuer AFG § 168)
  • Familien-GmbH (Ehefrau Allein-gesellschafter-Geschäftsführe-rin)
  • Ehemann: Bau-Ingenieur bzw. technischer Betriebsleiter (keine Geschäftsführungsfunktion / al-leinige Branchenkenntnisse)
  • monatliches Gehalt (Nettogehalt wurde zur Tilgung eines der GmbH von der Tochter gewähr-ten Darlehens einbehalten)
  • Jahreserfolgsprämie von 3 %

Zurückverweisung an das LSG
  • Dass die Ehefrau Alleingesellschafter-Geschäftsführe-rin ist, besagt nichts darüber aus, ob der Ehemann fremdbestimmte Arbeit leistet.
  • Die Teilhabe am Unternehmensrisiko stellt ein Indiz gegen eine abhängige Beschäftigung dar. Ein Unter-nehmensrisiko wird indes nur von dem getragen, der auch am Verlust des Unternehmens beteiligt ist.
  • Verfügt jemand über die alleinigen Fachkenntnisse und führt er aufgrund dieser Stellung ohne Weisung des Alleingesellschafter-Geschäftsführers faktisch wie ein Alleininhaber die Geschäfte der Familien-GmbH nach eigenem Gutdünken, so liegt ein abhängiges Beschäf-tigungsverhältnis nicht vor.
13 08.12.1987
- 7 RAr 25/86 –

(DBlR 3401a/AFG § 168; USK 87170; BB 1989, 72; BR/Meuer AFG § 168)
  • Familien-GmbH (Ein-Personen-GmbH)
  • Tochter Geschäftsführerin ohne Kapitalbeteiligung
  • Alleinvertretungsbefungnis
  • Befreiung vom Selbstkontrahie-rungsverbot nach § 181 BGB
  • Zustimmung der Gesellschaft für bestimmte Rechtsgeschäfte er-forderlich
  • Weisungsfreie Wahrnehmung der Unternehmensleitung und der Geschäftsführung
  • ertragsabhängige Bezüge

Kein abhängiges Beschäftigungsver-hältnis
  • Ist der GmbH-Geschäftsführer lediglich bei bestimmten wichtigen Geschäften in seiner Entscheidungsfreiheit beschränkt, kann selbst bei fehlender Kapitalbeteili-gung Selbständigkeit gegeben sein, wenn er mit den Gesellschaftern familiär verbunden ist und die Höhe der Bezüge u. a. von der Ertragslage abhängt.
  • Im Einzelfall können familiäre Bindungen dazu führen, dass die Tätigkeit überwiegend durch familienhafte Rücksichtnahme geprägt wird und es an der Ausübung einer Direktion durch die Gesellschafter völlig mangelt.
  • Führt der Geschäftsführer aufgrund verwandschaftli-cher Beziehungen faktisch die Geschäfte nach eige-nem Gutdünken, fehlt es an dem Merkmal der persön-lichen Abhängigkeit.
  • Die Teilhabe am Unternehmerrisiko (ertragsabhängige Bezüge) stellt ein gewichtiges Indiz für die Annahme einer selbständigen Tätigkeit dar.
12 08.12.1987
- 7 RAr 14/86 –

(DBlR 3400a/AFG § 168; USK 87150; BR/Meuer AFG § 168; ZIP 1988, 913)
  • Familien-GmbH (Ehegatten-GmbH)
  • Ehemann Gesellschafter-Geschäftsführer mit 1/7 Kapital-anteil
  • umfassende Fachkenntnisse
  • Arbeitszeit 40 Stunden wöchent-lich
  • monatliches Gehalt und Urlaubs-geld

Zurückverweisung an das LSG
  • Ist der GmbH-Geschäftsführer lediglich bei bestimmten wichtigen Geschäften in seiner Entscheidungsfreiheit beschränkt, ohne einem für die persönliche Anhängig-keit ausschlaggebenden Direktionsrecht der Gesell-schaft unterworfen zu sein, liegt eine abhängige Be-schäftigung nicht vor.
  • In einer Familien-GmbH können die Verhältnisse so liegen, dass selbst bei einem Geschäftsführer ohne Kapitalbeteiligung Selbständigkeit angenommen wer-den muss. Ausschlaggebend ist, ob er seine Tätigkeit im Wesentlichen frei gestalten kann.
  • Der Umstand, dass der Geschäftsführer möglicherwei-se fachlich überlegen war, reicht für sich allein nicht aus, um den Schluss zu rechtfertigen, dass er keinerlei Weisungen unterworfen war.
11 29.10.1986
- 7 RAr 43/85 –

(DBlR 3222a/AFG § 168; USK 86145; Die Beiträge 1987, 17; BR/Meuer AFG § 168; BB 1987, 406)
  • Familien-GmbH (Mutter, 2 min-derjährige Kinder vertreten durch Pfleger)
  • Mutter: alleinvertretungsberech-tigte Gesellschafter-Geschäfts-führerin mit 1/3 Kapitalanteil
  • Befreiung vom Selbstkontrahie-rungsverbot nach § 181 BGB
  • Beschlussfassung mit einfacher Mehrheit
  • Zustimmung der Gesellschaft für bestimmte Rechtsgeschäfte er-forderlich
  • Weisungsfreie Gestaltung und Ausführung der Geschäftsfüh-rung

Kein abhängiges Beschäftigungsver-hältnis
  • Ist der mit 1/3 am Stammkapital der GmbH beteiligte Geschäftsführer aufgrund der familiären Verhältnisse und seines Sachverstandes lediglich bei bestimmten wichtigen Geschäften in seiner Entscheidungsfreiheit beschränkt, im Übrigen aber keinen Weisungen unter-worfen, liegt keine abhängige Beschäftigung vor.
  • Für die Annahme einer abhängigen Beschäftigung ge-nügt nicht, dass der Geschäftsführer an Weisungen ir-gendwelcher Art gebunden ist; denn auch wer sich als Selbständiger zur entgeltlichen Geschäftsbesorgung verpflichtet, muss grundsätzlich Weisungen des Dienstberechtigten beachten.
  • Eingeschränkt war insoweit nur die Sachentschei-dungsbefugnis, während Gestaltung und Ausführung der Geschäftsführung keinen Beschränkungen unter-lag.
10 23.01.1986
- 11a RK 4/84 –

(DBlR 3179a/AFG § 168; USK 8606; SozR 5420 § 2 Nr. 35; Die Beiträge 1986, 132; BR/Meuer RVO § 165)
  • Familien-GmbH (Mutter, Sohn)
  • Sohn Gesellschafter-Geschäftsführer mit 1/5 Kapital-anteil (Mutter ebenfalls Gesell-schafter-Geschäftsführerin mit 4/5 Kapitalanteil)
  • Tätigkeit als ”Betriebsleiter” nach Weisung der Gesellschaft

Abhängiges Beschäftigungsverhältnis
  • Ein Gesellschafter-Geschäftsführer, der aufgrund sei-ner Kapitalbeteiligung keinen maßgebenden Einfluss auf die Entscheidungen der Gesellschaft hat und ihm übertragene Aufgaben nach Weisung der Gesellschaft durchführt, steht in einem abhängigen Beschäftigungs-verhältnis.
9 20.03.1984
- 7 RAr 70/82 –

(DBlR 2962a/AFG § 104; USK 8446; SozR 4100 § 168 Nr. 16; Breith. 1985, 158; Die Beiträge 1986, 211; BR/Meuer SGB IV § 7)
  • Komplementär-GmbH (zwei Ge-sellschafter)
  • Gesellschafter mit 50 % Kapital-anteil an der GmbH und 1,2 % als Kommanditist der KG
  • GmbH zur Geschäftsführung über die KG berufen
  • Anstellung als Einkaufsleiter der KG (keine Geschäftsführungs-funktion)

Kein abhängiges Beschäftigungsver-hältnis
  • Ein Gesellschafter einer Komplementär-GmbH kann nicht gleichzeitig in einem abhängigen Beschäfti-gungsverhältnis zur KG stehen, wenn er nach seiner Kapitalbeteiligung an der GmbH und nach den Rech-ten der GmbH an der KG einen bestimmenden Ein-fluss auf die Entscheidungen der KG hat.
  • Ein Beschäftigungsverhältnis zur KG wäre nur dann zu bejahen, wenn ein Kommanditist über seinen beherr-schenden Stimmanteil nach dem KG-Vertrag jeden ihm genehmen Beschluss auch gegen den Willen der Ge-sellschafter der Komplementär-GmbH durchsetzen kann.
  • Mit einer Kapitalbeteiligung von 50 % an der Komple-mentär-GmbH stehen einem Gesellschafter grundsätz-lich Arbeitgeberrechte zu, die ein von seinem Willlen unabhängiges Handeln der KG als Arbeitgeber aus-schließen.
8 23.09.1982
- 10 RAr 10/81 –

(DBlR 2799a/AFG § 141b; USK 82140; SozR 2100 § 7 Nr. 7; Breith. 1983, 739; BR/Meuer 59 B 39)
  • Familien-Komplementär-GmbH
  • Ehemann Gesellschafter-Geschäftsführer mit 5 % Kapital-anteil (Ehefrau 95 %)
  • „Kopf und Seele“ des Familien-unternehmens
  • vor Umwandlung in GmbH Alleininhaber der Einzelfirma
  • Die Selbständigkeit eines Gesellschafter-Geschäfts-führers ist nicht davon abhängig, dass er gerade über seine Kapitalbeteiligung einen entscheidenden Einfluss auf die Gesellschaft ausüben kann. In einer Familien-GmbH können bei einem GmbH-Geschäftsfüh-rer oh-ne Kapitalbeteiligung die Verhältnisse so liegen, dass Selbständigkeit angenommen werden muss.
  • Die fachliche Überlegenheit allein reicht für die An-nahme einer Weisungsfreiheit nicht aus.
  • Es ist noch festzustellen, warum die Gesellschafts-gründung durchgeführt worden ist. Sind die gesell-schaftsrechtlichen Maßnahmen nur deshalb getroffen worden, weil der Geschäftsführer dadurch haftungs-rechtlich oder steuerrechtlich besser zu stehen glaubt, so hat sich an seiner Selbständigkeit wahrscheinlich nichts geändert.
  • Ergeben die Ermittlungen keine eindeutige Antwort auf die Frage, ob eine abhängige Beschäftigung oder eine selbständige Tätigkeit vorliegt, ist das bisherige Berufsleben als Indiz heranzuziehen.
7 24.06.1982
- 12 RK 43/81 –

(DBlR 2813/AFG § 168; USK 82166; Die Beiträge 1986, 217; BB 1984, 1049)
  • zwei Gesellschafter-Geschäfts-führer mit jeweils 50 % Kapitalan-teil
  • Alleinvertretungsbefugnis
  • ein besonderer Beirat soll errich-tet werden, der für bestimmte Geschäfte von den Geschäfts-führern angehört werden muss.

Kein abhängiges Beschäftigungsver-hältnis
  • Aufgrund der Sperrminorität scheidet für beide Ge-schäftsführer ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis aus.
  • Die Schaffung des besonderen Beirates hat hierauf keinen Einfluss.
  • Der Gesellschafter-Geschäftsführer mit einem Kapital-anteil von 50 % ist nicht in einem ”fremden”, sondern in seinem ”eigenen” Unternehmen tätig.
6 24.06.1982
- 12 RK 45/80 -

(DBlR 2812/AFG § 168; USK 82160; SozSich 1983, RNr. 3750)
  • vier Gesellschafter-Geschäfts-führer mit einer Kapitalbeteili-gung jeweils unter 50 %
  • Anstellungsvertrag
  • Verteilung der Aufgaben einver-nehmlich mit den anderen Ge-schäftsführern
  • für bestimmte Geschäfte ist die Zustimmung der Gesellschafts-versammlung notwendig
  • die Arbeitszeit kann frei bestimmt werden
  • monatliches Gehalt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld

Zurückverweisung an das LSG
  • Da weder eine Kapitalmehrheit noch Sperrminorität vorliegt, ist ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis nicht von vornherein ausgeschlossen.
  • Das Arbeitsgerichtsgesetz (hier gilt der Geschäftsfüh-rer einer GmbH nicht als Arbeitnehmer) hat keine Be-deutung für die Sozialversicherung.
  • Entscheidend ist das Gesamtbild der Tätigkeit.
  • Hierbei ist wesentlich, ob der äußere Rahmen der Tä-tigkeit, insbesondere was Zeit, Dauer und Ort der Ar-beitsleistung betrifft, durch einseitige Weisungen der Gesellschaft geregelt wird oder geregelt werden kann.
  • Von Bedeutung ist auch die Kapitalbeteiligung. Diese wird häufig so hoch sein, dass die Geschäftsführer ein nicht unerhebliches Unternehmerrisiko tragen, so dass sie ihre Tätigkeit nicht für ein ihnen fremdes, sondern im eigenen Unternehmen ausüben.
  • Es muss ein für ein Arbeitnehmer-/Arbeitgeberver-hältnis typischer Interessengegensatz vorhanden sein. Ein solcher ist kaum denkbar, wenn die Geschäftsfüh-rer zugleich die alleinigen Gesellschafter sind.
    Hinweis:
    Der im Arbeitnehmer-/Arbeitgeberverhältnis (angeb-lich) fehlende typische Interessengegensatz bei Per-sonenidentität von Geschäftsführern und Gesellschaf-tern wird vom BSG (vgl. dazu lfd. Nr. 34) nicht (mehr) als geeignetes Abgrenzungskriterium angesehen.
5 22.11.1974
- 1 RA 251/73 -

(USK 74139; Die Beiträge 1975, 60; BB 1975, 282; BR/Meuer 663 A19a7-19/6-)
  • Gesellschafter-Geschäftsführer mit 50 % Kapitalanteil
  • Alleinvertretungsbefugnis
  • Dienstvertrag
  • monatliches Gehalt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld

Kein abhängiges Beschäftigungsver-hältnis
  • Da der Geschäftsführer über die Sperrminorität inner-halb der Gesellschaftsversammlung verfügt und damit einen maßgeblichen Einfluss auf die Entscheidungen der Gesellschaft nehmen kann, ist ein abhängiges Be-schäftigungsverhältnis grundsätzlich von vornherein ausgeschlossen.
  • Die steuerrechtliche Beurteilung ist für die Prüfung der Sozialversicherungspflicht nicht entscheidend.
4 31.07.1974
- 12 RK 26/72 -

(DBlR 1888a/AFG § 168; USK 7467; BSGE 38, 53; SozR 4600 § 56 Nr. 1; BR/Meuer 663 A19a7-19/1-) (siehe auch Nr. 16)
  • zwei Gesellschafter-Geschäftsführer mit je 1/3 Kapi-talanteil
  • Beschlüsse werden mit 2/3 Mehrheit gefasst
  • gemeinsame Vertretung der Ge-sellschaft

Zurückverweisung an das LSG
  • Da keine Sperrminorität vorhanden ist, ist ein abhängi-ges Beschäftigungsverhältnis nicht von vornherein ausgeschlossen.
  • Wird die Tätigkeit entsprechend den Belangen des Un-ternehmens, die in Wahrheit mit den Belangen des Geschäftsführers identisch sind, selbst frei bestimmt, liegt kein abhängiges Beschäftigungsverhältnis vor.
  • Die tatsächlichen Verhältnisse sind für diese Beurtei-lung entscheidend.
3 22.08.1973
- 12 RK 24/72 -

(DBlR 1771a/AFG § 168; USK 73122; SozR Nr. 22 § 3 AVG; Breith. 1974, 369; Die Beiträge 1973, 345; BB 1973, 1310; BR/Meuer 663 A19a7-28-; NJW 1974, 207)
  • Geschäftsführer ohne Kapitalbe-teiligung
  • Alleinvertretungsbefugnis
  • Dienstvertrag
  • monatliches Gehalt, Weih-nachtsgeld und Urlaubsvereinba-rung
  • im Übrigen gelten die Bestim-mungen des BGB und HGB über die Stellung des Geschäftsfüh-rers
  • der Geschäftsführer hat im Auf-trag der Gesellschafterversamm-lung die Geschäftsordnung, den Organisationsplan und die Ar-beitsplatzbeschreibung aufge-stellt

Abhängiges Beschäftigungsverhältnis
  • Der Sachverhalt ist anders zu beurteilen als bei einem Gesellschafter-Geschäftsführer, da hier das unterneh-merische Risiko fehlt. Der Geschäftsführer stellt nur seine Arbeitskraft in den Dienst der GmbH. Hierbei kann die Eingliederung in den Betrieb alleine ausrei-chend sein, um ein abhängiges Beschäftigungsver-hältnis zu bejahen. Allein aus der weisungsfreien Aus-führung einer fremdbestimmten Arbeit kann nicht auf eine selbständige Tätigkeit geschlossen werden.
  • An die Stelle der Weisungsgebundenheit tritt die funk-tionsgerecht dienende Teilhabe am Arbeitsprozess.
  • Die Eingliederung liegt hier bereits darin begründet, dass der Geschäftsführer Beschlüsse der Gesellschaf-ter auszuführen hat und auch nur im Rahmen dieser Beschlüsse handeln darf.
  • Es kommt nicht darauf an, dass die Gesellschafter von ihrer Überwachungsbefugnis gegenüber dem Ge-schäftsführer tatsächlich Gebrauch machen.
2 15.12.1971
- 3 RK 67/68 -

(DBlR 1724a/AVAVG § 56; USK 71199; SozR Nr. 68 § 165 RVO; Breith. 1972, 537; Die Beiträge 1972, 246; BR/Meuer 663 A19a7-16-; BB 1972, 404)
  • Familien-GmbH
  • Gesellschafter-Geschäftsführer mit 1/3 Kapitalanteil (geschiede-ne Ehefrau 2/3)
  • einschlägige Branchenkenntnis-se als einziger Gesellschafter
  • Geschäftsführertätigkeit ohne Gesellschafterbeschluss oder Anstellungsvertrag
  • monatliches Gehalt

Kein abhängiges Beschäftigungsver-hältnis
  • Was die Ausführungen der Arbeit angeht, kann die Weisungsgebundenheit - insbesondere bei Diensten höherer Art - stark eingeschränkt zur funktionsgerech-ten, dienenden Teilhabe am Arbeitsprozess verfeinert sein; die Dienstleistung ist trotzdem fremdbestimmt, wenn sie in der von anderer Seite vorgeschriebenen Ordnung des Betriebs aufgeht.
  • Kann der Dienstnehmer seine Tätigkeit dagegen im Wesentlichen frei gestalten und seine Arbeitszeit bestimmen, so ist er selbständig tätig.
  • Verfügt der Geschäftsführer in einer Familien-GmbH als einziger Gesellschafter über die für die Führung des Betriebs notwendigen Branchenkenntnisse, gibt seine Meinung bei Gesellschafterbeschlüssen in der Regel den Ausschlag. Insoweit kann nicht von Wei-sungsgebundenheit ausgegangen werden.
  • Das gemeinsame Wirken im Dienst der GmbH ist durch ein gleichberechtigtes Nebeneinander gekenn-zeichnet.
1 13.12.1960
- 3 RK 2/56 -

(DBlR 711/RVO § 165; BSGE 13, 196; SozR AVG § 1 aF Bl. Aa 2 Nr. 5; Die Beiträge 1961, 212; BR/Meuer 299 A4a71-1-; NJW 1961, 1134)
  • Gesellschafter-Geschäftsführer mit 5 % Kapitalanteil
  • Hauptgläubiger der GmbH
  • Anstellungsvertrag, wonach die gesamte Arbeitskraft für die GmbH aufgewendet werden muss
  • Bindung an die Satzung und An-weisungen durch Gesellschafter-beschlüsse
  • Vergütung: gewinnabhängige Umsatzbeteiligung von 10 %

Kein abhängiges Beschäftigungsver-hältnis
  • Obwohl der Geschäftsführer einer GmbH Arbeitgeber-funktionen wahrnimmt, kann dennoch eine Arbeitneh-mereigenschaft i. S. d. Sozialversicherung vorliegen.
  • Das RVA hat bei der versicherungsrechtlichen Beurtei-lung von Gesellschafter-Geschäftsführern nur an die Kapitalbeteiligung angeknüpft. Dem kann nicht voll gefolgt werden.
  • Die Kapitalbeteiligung ist nur dafür ausschlaggebend, ob nicht von vornherein aufgrund der Mehrheit oder Sperrminorität innerhalb der Gesellschafterversamm-lung ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis grund-sätzlich ausgeschlossen ist.
  • Ist dies nicht der Fall, ist zu prüfen, ob und inwieweit der Gesellschafter-Geschäftsführer weisungsgebunden ist.
  • Besteht die Weisungsgebundenheit allein darin, dass der Geschäftsführer in seiner Entscheidungsfreiheit bei bestimmten wichtigen Geschäften beschränkt ist, ohne zugleich einem - für die persönliche Abhängigkeit aus-schlaggebenden - Direktionsrecht des Dienstberechtig-ten in bezug auf die Ausführung seiner Arbeit unter-worfen zu sein, so ist der Geschäftsführer trotz seiner gesellschaftsrechtlichen Bindung an den - in Be-schlüssen konkretisierten - Willen der
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